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Tägliches Wortspiel · Linguistik

Signifikation [zɪɡnɪfɪkaˈtsi̯oːn]

Über die App · Hintergründe · Quellen


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Warum Signifikation?

Der Name trägt zwei Bedeutungsebenen. In der Linguistik, Semiotik und Philosophie bezeichnet Signifikation den Prozess der Bedeutungsgebung — das Verhältnis zwischen einem sprachlichen Zeichen und dem, wofür es steht. Ferdinand de Saussures dyadisches Zeichenmodell, in dem signifiant (Lautbild) und signifié (Vorstellung) untrennbar zusammengehören, stand Pate für das Konzept der App.5

Gleichzeitig steckt im Wort das Ende von Kollokation, und der zugrundeliegende logDice-Wert misst eine statistische Signifikanz — eine bedeutsame, nicht-zufällige Verbindung zwischen Wörtern.

Was ist eine Kollokation?

Kollokationen sind charakteristische syntagmatische Wortverbindungen, in denen ein Element (die Basis) den anderen Bestandteil (den Kollokator) semantisch selegiert. Man sagt blondes Haar und nicht gelbes Haar — nicht weil Letzteres grammatisch falsch wäre, sondern weil der konventionalisierte Sprachgebrauch blond als typischen Kollokator von Haar fordert.1

Kollokationen liegen zwischen freien Wortverbindungen (rotes Auto) und Idiomen (ins Gras beißen): semantisch motiviert, aber lexikalisch konventionalisiert.

Der logDice-Wert

Der logDice-Wert2 ist ein statistisches Assoziationsmaß für Kookkurrenzen im Korpus. Er setzt die gemeinsamen Vorkommen zweier Wörter ins Verhältnis zu ihren jeweiligen Einzelhäufigkeiten — je höher der Wert, desto charakteristischer und nicht-zufälliger die Wortverbindung. Im Unterschied zu anderen Maßen wie dem Pointwise Mutual Information-Score ist logDice robust gegenüber seltenen Wörtern.

Die Daten

Die Kollokationsdaten für das Hauptspiel stammen aus dem DWDS-Wortprofil3 der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW), basierend auf rund 7,5 Milliarden Textwörtern aus großen Tageszeitungen (FAZ, SZ, Die Zeit, NZZ u. a.) sowie dem DWDS-Kernkorpus.

Die historischen Daten für die Zeitreise-Runde entstammen dem DiaCollo-System4 desselben Instituts, das Kollokationsverschiebungen über Jahrhunderte hinweg nachverfolgt — von frühneuhochdeutschen Texten bis zur Gegenwartssprache.

Die Korpusbelege werden im Rahmen des Zitatrechts (§ 51 UrhG) unter Angabe der jeweiligen Quelle angezeigt.

Das Projekt

Signifikation ist ein nicht-kommerzielles Bildungsprojekt, entwickelt von Joscha Moritz Fresmann. Ziel ist es, linguistische Konzepte spielerisch erfahrbar zu machen — für Sprachinteressierte, Studierende und alle, die Wörter lieben.

Fragen, Anregungen oder Fehler? info@signifikation.de

Quellen

  1. Hausmann, F. J. (2003): Was sind eigentlich Kollokationen? In: Steyer, K. (Hrsg.): Wortverbindungen — mehr oder weniger fest. Berlin/New York: de Gruyter, S. 309–334.
  2. Rychlý, P. (2008): A Lexicographer-Friendly Association Score. In: Proceedings of Recent Advances in Slavonic Natural Language Processing (RASLAN 2008), S. 6–9.
  3. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW): Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS). Berlin 2024. dwds.de
  4. Jurish, B., Kdiciński, M., Lemnitzer, L. & Wiegand, M. (2014): DiaCollo: On the Trail of Diachronic Collocations. In: Proceedings of the Digital Humanities Conference (DH 2014). Lausanne.
  5. Saussure, F. de (1916): Cours de linguistique générale. Hrsg. von C. Bally & A. Sechehaye. Paris: Payot.